Schweizer Astrologenbund

Thesenpapier

These 1

Astrologie ist die Lehre der Entsprechungen zwischen den Gestirnen am Himmel und dem Leben auf der Erde. Sie geht davon aus, dass Veranlagung und Werdegang von Entitäten wie z.B. Menschen, Völkern, Nationen oder Unternehmen durch entsprechende Konstellationen am Himmel angezeigt bzw. beschrieben werden.

These 2

Welcher Natur der in These 1 erwähnte Zusammenhang ist, lässt sich beim heutigen Wissensstand nicht entscheiden. Die eindeutig bestehenden physikalischen Einflüsse kosmischer Kräfte auf irdische Abläufe wie z.B. die Jahreszeiten oder die Gezeiten sind nicht ausreichend, um den komplexen kosmisch-irdischen Zusammenhang im Sinne der Astrologie umfassend beschreiben zu können. Ein wichtiger Erklärungsansatz ist das von C.G Jung und Wolfgang Pauli beschriebene Phänomen der Synchronizität, wonach die Übereinstimmung von äußerem Geschehen und innerem Vorgang nicht kausal, sondern sinnhaft verknüpft ist. Dieses Phänomen vermag insbesondere auch die Effektivität der sogenannten Stundenastrologie zu erklären.

These 3

Ein für Astrologen bedeutsamer Zeitpunkt ist der Augenblick, in dem ein Prozess seinen Anfang nimmt. Für das Leben eines Menschen ist dies die Geburt. Die kosmische Situation dieses Augenblicks ist eine symbolische Entsprechung der Struktur und Dynamik des hier beginnenden Werdegangs. Die Arbeit des Astrologen besteht in der Entschlüsselung der Bedeutung dieser ganzheitlichen Symbol-Gestalt.

These 4

Das Horoskop ist die graphische Darstellung der in These 3 erwähnten kosmischen Situation. Es zeigt diese Himmelskonstellation so, wie sie sich einem Beobachter vom Standpunkt des Ortes des Geschehens aus darstellt. Aus diesem Grunde wird das Horoskop geozentrisch berechnet.

These 5

Der Tierkreis ist eine Einteilung der Zone, in der sich Sonne, Mond und Planeten bewegen, in 12 Abschnitte von je 30°. Dabei wird der tropische Tierkreis, der mit dem Frühlingspunkt beginnt, von dem siderischen Tierkreis unterschieden, der sich an galaktischen Strukturen orientiert. Diese und andere Einteilungen der Himmels- und Ortssphäre bilden eine wichtige Grundlage astrologischer Deutung. Es ist den Astrologen seit dem Altertum bekannt, dass der Frühlingspunkt, welcher den Anfang des tropischen Tierkreises darstellt, durch eine Kreiselbewegung der Erdachse (Präzession) bezüglich der als feststehend zu betrachtenden Fixsterne wandert, so dass sich die Tierkreiszeichen des tropischen Tierkreises nicht mit den Sternbildern des siderischen Tierkreises decken. Die Wanderung des Frühlingspunktes durch den siderischen Tierkreis wird unter anderem mit epochalen Veränderungen auf der Erde in Verbindung gebracht.

These 6

Wie in anderen Wissensgebieten mit komplexen Fragestellungen, gibt es in der Astrologie unterschiedliche Auffassungen über methodische Einzelheiten. Viele dieser Auffassungen beruhen auf sehr altem, tradiertem Wissen, andere auf den Erfahrungen einzelner Astrologen und Schulen. Aus diesem Grund besteht die Notwendigkeit des Erfahrungsaustauschs sowie der Objektivierung durch Vergleich und Überprüfung.

These 7

Das Verhältnis zwischen Schicksal und Willensfreiheit lässt sich folgendermaßen beschreiben: In seiner strukturellen Anlage, die durch das Horoskop beschrieben wird, ist der Mensch determiniert, in der Entfaltung dieser Anlage ist er aber frei. (Goethe: „Geprägte Form, die lebend sich entwickelt“). Im Bewusstsein dieses Unterschieds zwischen Anlage und Verwirklichung löst sich der Scheinwiderspruch von Willensfreiheit und Determiniertheit. Aus dieser Überlegung ergeben sich für die Deutung des Geburtshoroskops eines Menschen klare Aussagegrenzen, insbesondere auch was die Prognose betrifft.

 

 

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